Adidas – und was es damit auf sich hat

Daß der Vertrag zwischen dem FC Bayern und Adidas erneuert wurde, ist eine erwartete Überraschung. Zum einen lief der bisherige Kontrakt noch bis 2020, zum anderen aber hat man sich in Bayern nach dem Deal zwischen Adidas und Manchester United sehr irritiert gezeigt. Bayern kriegt zwanzig Millionen Euro im Jahr und Manchester United hundert?

Zuerst: Eine solche Summe ist immer nur Teil des Deals. Andere Teile sind z.B. die Lizenzgebühren, so ein Verein kriegt, wenn er Trikots und andere Fanartikel verkauft. Denn ein Bayerntrikot ist ein Adidasprodukt, der FC Bayern bekommt dafür eine Lizenzgebühr, weil dessen Logo draufgedruckt wurde. Wenn es durch den eigenen Vertrieb verkauft wird, etwa im Fanshop, dann kommt noch die Gewinnmarge für den Einzelhandel hinzu.

Dem Vernehmen nach, denn öffentlich gemacht wird sowas leider nie, sollen im Fall von Manchester United mit hundert Millionen Euro im Jahr sämtliche Lizenzgebühren abgedeckt sein, d.h. in textilen Merchandising-Artikeln gibt es für den Verein nichts mehr zu verdienen. Daß man in Bayern dennoch, wie Präsident Karl Hopfner ja bereits vor Monaten angekündigt hat, eine Neuverhandlung anstrebt, läßt trotzdem tief blicken.

Nun sind es also 65 Millionen Euro im Jahr, die der FC Bayern kriegt, deutlich mehr. Über andere Details wie Lizenzgebühren oder auch Prämien (immerhin ist der FC Bayern seit Jahren verläßlicher Stammgast im Halbfinale der Champions League) ist nichts bekannt.

Doch was zeigt uns das jetzt? Wieso hatte Adidas es überhaupt nötig, einen so langfristigen Vertrag nochmal zu verlängern? Offensichtlich ist die Abhängigkeit doch gegenseitig: Real Madrid (dem Vernehmen nach vierzig Millionen Euro im Jahr) mag für Adidas ein lohnendes Geschäft sein, Manchester United die Rache an Nike dafür, daß die Amerikaner den Herzogenaurachern den französischen Verband weggeschnappt haben, aber der FC Bayern ist doch mehr: Der FC Bayern ist, noch stärker als das DFB-Team, elementarer Markenkern von Adidas.

Infolgedessen steigt allein dadurch der Umsatz um knapp zehn Prozent im Vergleich zur letzten Saison. Daß dazu noch diverse Weltmeistereffekte kommen, die Erfolge aus der außereuropäischen Vermarktung und vieles mehr, ist nochmal ein anderes Thema. Der FC Bayern ist und bleibt finanziell Teil der Weltspitze im Vereinsfußball – und muß sich in dieser Situation entsprechend verhalten.

Nun ist Real Madrid, wo ohne Sinn und Verstand Spieler geholt und nach drei oder vier Jahren wieder vor die Tür gesetzt werden, nicht der ideale Benchmark für Bayern. Wohl aber sind die Zeiten vorbei, in denen man automatisch aus allen Verhandlungen aussteigen muß, nur weil Herr Pérez aus Madrid oder Herr Bartomeu aus Barcelona mit am Tisch sitzen. Große Transfers sind nun auch in Bayern möglich.

Ein einfaches Beispiel: Arjen Robben und Franck Ribéry haben jeweils 25 Millionen Euro gekostet. Das waren 2007 und 2009 jeweils etwas mehr bzw. etwas weniger als zehn Prozent des Umsatzes. Der Umsatz in der abgelaufenen Spielzeit lag bei rund 530 Millionen Euro, dazu kommen in der laufenden Spielzeit die genannten Effekte, ab nächstem Jahr zusätzliches Adidasgeld. Vor diesem Hintergrund sind Transfers von sechzig bis achtzig Millionen Euro gemessen am Umsatz genauso groß wie damals Robben und Ribéry, die sich ohne Frage bezahlt gemacht haben.

Dazu kommt noch ein weiterer Punkt: Seit dem Wechsel des Finanzvorstandes vom heutigen Präsidenten Karl Hopfner zu Jan Dreesen hat der FC Bayern durch die Verkäufe von Luiz Gustavo, Mario Gómez, Xherdan Shaqiri, Toni Kroos und Mario Mandžukić über hundert Millionen Euro eingenommen – eine erhebliche Geldquelle, der man sich durch den teilweise ideologisch bedingten Slogan „Mia san koan Verkaufsverein“ jahrzehntelang verweigert hat. Diese steht nun ebenfalls zur Verfügung.

Geld ist also vorhanden, das Stadion ist bezahlt (da fällt nochmal ein jährlicher Kostenblock von etwa dreißig Millionen Euro weg bei steigenden Einnahmen) und der FC Bayern steht da, wo der Vorstand seit Jahrzehnten hin wollte. Jetzt gilt es, auch in größeren Dimensionen zu handeln – und gerade außerhalb Europas braucht es einen großen Weltstar in Bayern.

Zum Abschluß: Der Satz „Geld schießt keine Tore“ stammt von Otto Rehhagel, als er in Bremen erhebliche Probleme mit Willi Lemke und seiner Sparpolitik hatte. Dieser Satz gilt aber ebenso auf dem Niveau, auf dem der FC Bayern sich jetzt bewegt. Und noch eins: Angesichts der geldpolitischen Situation schießt das Geld auf dem Festgeldkonto nicht nur keine Tore, es bringt auch keine Zinsen – gute Transfers sind jedoch sehr renditeträchtig.