Borussia Dortmund und die Versicherung

Dieser Tage tut die versammelte Journaille so, als sei im Zusammenhang mit Borussia Dortmund ein großes Geheimnis an die Öffentlichkeit gekommen: Man hat sich gegen eine Nichtteilnahme an der Champions League versichert. Das war geheim, so heißt es. Nicht mal Jürgen Klopp, geschweige denn die Mannschaft haben davon gewußt. Doch stimmt das?

Die Borussia Dortmund GmbH&Co.KGaA ist börsennotiert und somit prospektpflichtig. Die Teilnahme an der Champions League zu verpassen wäre ein ganz erhebliches betriebswirtschaftliches Risiko, eine Versicherung dagegen muß im Wertpapierprospekt veröffentlicht werden. Bevor hier ein falscher Eindruck entsteht: Das ist geschehen. All die Jahre hat das in der jeweils aktuellen Ausgabe genau so gestanden. Von einem geheimen Geschäft kann daher keine Rede sein. Das Problem ist: Offensichtlich hat sich über Jahre hinweg kein einziger Sportjournalist diesen Prospekt angeguckt.

Dabei stand der Wertpapierprospekt der Borussia Dortmund GmbH&Co.KGaA stets öffentlich zur Verfügung. Ja, er hat 261 Seiten, das stimmt. Ohne auf die leidige Frage eingehen zu wollen, was so ein Sportjournalist eigentlich den ganzen Tag macht, so ist es in Wirtschaft, Politik und Justiz gang und gäbe, daß relevante Informationen vergraben werden. So ist das offensichtlich auch in Dortmund passiert und es ist der Unternehmensführung gelungen, trotz Veröffentlichung dieser Information sicherzustellen, daß niemand davon weiß. Das stellt der deutschen Sportjournallie ein Armutszeugnis aus.

Auf Seite 89 steht klar und deutlich: Die Gesellschaft hat verschiedene Arten von Versicherungen abgeschlossen, z.B. (…) eine Einnahmenausfallversicherung für die UEFA Champions League.

Nun kann man sich grundsätzlich gegen jede Lebenslage versichern. Ein ganz fiktives Beispiel ohne jeden Bezug zur Realität: Ein Berufsfußballer macht Werbung für einen Automobilhersteller. Zwei Wochen nachdem der Spot angelaufen ist, stellt sich heraus, daß derjenige gar keinen Führerschein hat und der Werbefilm kann nicht mehr gesendet werden. Gegen solche Risiken kann sich der Werbepartner versichern. Nun ist ein solches Szenario zwar unwahrscheinlich, zeigt aber die Möglichkeiten auf, die Versicherungen bieten.

Ob die FC Bayern München AG eine ähnliche Versicherung abgeschlossen hat, ist nicht bekannt. Bayern ist nämlich nicht börsennotiert und somit nicht prospektpflichtig. Eine börsennotierte Gesellschaft hat Besitzer, die (unterhalb der Schwelle zur Meldepflicht) geheim sind. Besitzerwechsel finden an der Börse regelmäßig statt. Deswegen unterliegen solche Unternehmen besonders strengen Transparenzverpflichtungen. In Deutschland betrifft das nur Borussia Dortmund. Aber vielleicht sieht der eine oder andere sich künftige Publikationen in Bezug auf die BVB-Aktie mal etwas genauer an. Wünschenswert wäre es auf jeden Fall.