Spiegel Online: Ungehobelt schlecht

Eine „ungehobelte Entschlossenheit“ unterstellt Spiegel-Autor Herr Theweleit dem FC Bayern beim Pokalspiel in Leverkusen. Ungehobelt entschlossen war er selbst vermutlich auch: Er läßt kein gutes Haar auf Auftritt der Bajuwaren bei der Werkself.

Spiegel-Online berichtet ausführlich über das gestrige Pokalspiel. Leider ergibt sich der Verfasser Herr Theweleit dabei einer ganzen Reihe Nebensächlichkeiten, etwa Pep Guardiolas Klappstuhl während des Elfmeterschießens, so daß am Ende wohl kein Platz mehr für relevantere Informationen bleibt.

Robert Lewandowski hat ein reguläres Tor geschossen, das nicht anerkannt wurde. Okay, sowas kommt vor. Wenn es anschließend in der Berichterstattung nicht erwähnt wird, dann macht der Autor einen noch größeren Fehler als der Schiedsrichter. Vor allem, wenn er sich danach auf eine andere Szene festbeißt

Besonders erregte die Gemüter ein hohes Bein von Thiago (90.+4), das Stefan Kießling an der Brust traf. Die Leverkusener forderten eine Rote Karte für den Mann, der am Ende auch noch den finalen Elfmeter verwandelte. Aber es lag wohl keine Absicht vor, Schiedsrichter Zwayer beließ es bei der Gelben Karte.

Ob Thiago dafür hätte vom Platz gehen müssen, kann lange diskutiert werden. Doch gerade hier liegt eine Konzessionsentscheidung nahe: Erst nimmt der Schiedsrichter den Bayern ein Tor, dann will er nicht noch einen Spieler vom Platz stellen. Ob Herr Theweleit das in den Sinn gekommen wäre, wenn er das Spiel geguckt und somit auch das nicht gegebene Tor gesehen hätte? Man kann nur spekulieren!

Auch ein ebenso hartes Foul an Philipp Lahm, das zu dessen Auswechselung führte, bleibt unerwähnt. Daß auch Medhi Benatia ebenfalls verletzt vom Platz mußte ist noch eine fehlende Information und da fragt man sich: Will der Autor seine Leser informieren oder einfach nur darüber jammern, daß sie (vielleicht wegen der hohen Verletztenliste?) nicht nur ihr Ballzirkulationsspiel aufziehen, sondern gegen starke Gegner auch dessen Konterspiel unterbinden können?

„Wir haben viele Probleme, weil wir keine Spieler mehr für die für Eins-gegen-Eins-Situationen haben“, sagte Guardiola. „Ohne Franck Ribéry und Arjen Robben sind wir eine andere Mannschaft.“ Die Konsequenzen, die der Spanier daraus zieht, sind erstaunlich radikal.

Überall hört man nur von einem wahnsinnig großen und breiten Kader der Bayern. Das stimmt: In den zentralen Positionen gibt es eine ganze Reihe an Weltklassesspielern. Auf den Flügeln nicht. Arjen Robben und Franck Ribéry, die wie niemand sonst dem Bayernspiel seit den späten Nullerjahren ihren Stempel aufgedrückt haben, sind noch immer unersetztlich im Kader. Gerade Arjen Robben, der seit dem Wembleytor im Mai 2013 zu den besten Fußballspielern der Welt gehört, kann ein Trainer nicht einfach so ersetzen.

Bayer Leverkusen war stark, aber man hatte nie so richtig den Eindruck, daß sie fußballerisch besser waren.

Wobei der Unterschied an diesem Abend lediglich darin lag, dass Manuel Neuer einen nicht einmal schlecht geschossenen Elfmeter von Josip Drmic hielt, während der Kollege Bernd Leno die Schüsse von Thomas Müller und Mario Götze zwar berührte, aber eben nicht abwehren konnte.

Ein solche Fazit kann man wirklich nur ziehen, wenn man erst beim Elfmeterschießen reingezappt hat. Am Ende faßt Herr Theweleit seinen eigenen Artikel zusammen:

Der FC Bayern brauchte eine Parade von Manuel Neuer im Elfmeterschießen, um das Pokalduell auf Augenhöhe in Leverkusen zu gewinnen. Den Bayern fehlen derzeit die spielerischen Mittel, aber sie siegen dennoch über den Willen.

Das soll hier auch geschehen: Der Artikel ist schwach, um nicht zu sagen ungehobelt schlecht, weil relevante Informationen fehlen und der Autor lediglich seine Abneigung gegen den FC Bayern in ein Presseerzeugnis gießen will. Das führt jedoch dazu, daß jemand, der das Spiel nicht gesehen hat, nur stark lückenhaft informiert ist. Spiegel-Leser wissen nach der Lektüre dieses Artikels definitiv weniger und nicht mehr.