Das leidige Thema Stadionkapazität

Der Münchener Norden wird „überrollt von Fußballfans“, so schreibt die Sueddeutsche Zeitung. Aber keine Sorge: Es ist nicht der Doppelpaß-Dauergast Hans Leyendecker, der sich hier hat austoben dürfen und entsprechend unaufgeregt kommt der Artikel auch daher. Leider fehlen einige relevante Informationen, die in die Öffentlichkeit zu transportieren durchaus Aufgabe der Medienschaffenden wären.

Um viertausend Leute wird die Kapazität erhöht, also rund fünf Prozent mehr im Vergleich zum Status Quo. Damit setzt sich die SZ ausführlich auseinander. 11.350 Parkplätze sind direkt am Stadion vorhanden (leider wird die Zahl nicht genannt).

Die Stadt stützt sich dabei auf ein Verkehrsgutachten – das die Bürgervertreter als „schön gerechnet“ abtaten. Die Expertise geht von 900 Fahrzeugen aus, die während eines Spiels in den umliegenden Siedlungen abgestellt werden, BA-Politiker und Freimanner Bürger sagen: Es sind viel mehr.

Wieso das vorliegende Gutachten in Zweifel gezogen wird, bleibt unbegründet. Auch die Frage, wieso man nicht einfach Anwohnerparkplätze macht, die nur noch mit entsprechendem Parkausweis genutzt werden dürfen, wird nicht einmal gestellt. Das wäre sicherlich das einfachste. Oder aber die vom FC Bayern selbst organisierten Shuttlebusse.

Der FC Bayern muss auf eigene Kosten an der Donnersbergerbrücke Busse bereit stellen, die Fans kostenlos zur 13 Kilometer entfernten Arena fahren. Die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) hatte davon ihre Zustimmung abhängig gemacht; das gesamte U-Bahn-Netz – vor allem aber die Linie U 6 – seien dem Andrang nicht gewachsen, hieß es.

Auch hier läßt der Artikel einen wichtigen Punkt aus: Der MVG-Geschäftsführer Herr König (der jüngst dementiert hat, ein Fan von 1860 München zu sein) hat lange Zeit darauf spekuliert, daß der FC Bayern bzw. die Stadiongesellschaft sich an den Investitionskosten zu einer Vollautomatisierung der Linie U 6 beteiligt. Ein Gutachten des TÜV lehnte er mit der Begründung ab, daß es nicht in seinem Auftrag erstellt worden sei und daher dürfe es zur Bewertung des Sachverhaltes nicht herangezogen werden. Die Shuttlebusse waren die Lösung, mit der man bei der MVG wohl nicht gerechnet hat.

Interessant ist in diesem Zusammenhang folgendes: Die höchste Auslastung hatte die Linie U6 im Zusammenhang mit der Allianz-Arena am Abend des 24. September 2013 – beim Pokalspiel 1860 München gegen Borussia Dortmund. In der Tat reisen beim FC Bayern deutlich mehr Leute mit dem Auto an – die Lage im Autobahnkreuz hat auch mit dem immer schon großen Einzugsbereich zu tun.

Aber welche Vorschläge werden gemacht? Noch ein Parkhaus bauen? Die Shuttlebusse auch von größeren neuen Parkplätzen weiter weg einsetzen? Möglicherweise auch die An- und Abreise von verschiedenen Münchener Regionalbahnhöfen zu organisieren mit entsprechender Shuttlebusanbindung? Nichts außer der berechtigten Forderung, daß die Shuttlebusse in den Auskunftsmedien der Deutschen Bahn und des MVV auftauchen müssen. Hier besteht definitiv Nachholbedarf.

Daß jedoch die unheilige Verbindung zwischen einem Stadtwerke-König und notorischen NIMBY-Rufern ein solches Projekt zu verhindern droht, nutzt am Ende niemandem. Im übrigen hat Deutschland nur zwei Stadien, die aufgrund der Infrastruktur in der Umgebung in der Lage sind, Endspiele in der Champions League auszutragen: München und Berlin. Der 26. Mai 2012 war (abgesehen vom Ergebnis) ein Riesenerfolg. Das muß Berlin am 6. Juni erst noch schaffen.

Doch so bleibt es bei einer leider sehr oberflächlichen Betrachtung auf dem Niveau einer Regionalzeitung. Eine ausführliche Auseinandersetzung mit den tatsächlichen Rollen zahlreicher Akteure im Zusammenhang mit der Kapazitätserweiterung in der Allianz-Arena fand bislang nirgendwo statt. Schade.