Didi Hamann und die Gebrüder Grimm

Es gibt eine ganze Reihe ehemaliger Bayernspieler, die heute in irgendeiner Form fürs Fernsehen oder in anderer Weise journalistisch arbeiten. Ob Lothar Matthäus, Stefan Effenberg, Oliver Kahn oder Mehmet Scholl. Auch Didi Hamann, der den Verein vor 18 Jahren verlassen hat und bei dem schon seit längerer Zeit erkennbar der Eindruck ist, daß bei seinem Abgang im Jahr 1997 irgendwas vorgefallen sein muß.

Ob er sich immer als besonders glaubhaft hervortut, sei dahingestellt. Das sind andere auch nicht. Doch zumindest unter den eigenen Fans setzt sich der Eindruck fest, daß Hamann der einzige ist, der eine erkennbare Abneigung gegen seinen früheren Verein zu haben scheint. Im Zusammenhang mit Spekulationen über einen möglichen Wechsel von Pep Guardiola zu Manchester City nannte Karl-Heinz Rummenigge Didi Hamann in der Sport-Bild einen „Märchenerzähler.“

Bevor die Spekulationen beginnen, hier das ganze Zitat:

Ich muss eines sagen: Didi Hamann ist bei den Märchenerzählern an zweiter Stelle gleich hinter den Gebrüdern Grimm.

Ein freundlicher Umgang ist das sicher nicht, aber wenn man bedenkt, wie Hamann sich seit Jahr und Tag über den FC Bayern äußert, gilt die alte Weisheit: Wer austeilt, muß auch einstecken können.

Nun hat sich die im Axel-Springer-Verlag erscheinende Tageszeitung Die Welt dem Thema angenommen. Der Name des Autors steht nicht dabei, schade! Denn der Duktus erinnert sehr an den chronischen Bayernhasser Lars Wallrodt. Aber wo der herkommt, gibt es sicherlich noch mehr.

Bereits die Überschrift läßt die Tendenz des Artikels erkennbar werden: Rummenigge beleidigt Hamann. Aha! Nun, der Begriff Beleidigung ist im Strafgesetzbuch definiert, aber hier geht es wohl eher darum zu zeigen, daß Rummenigge die sachliche Ebene verlassen und den natürlich hoch angesehenen Didi Hamann schwer beleidigt hat.

Und darüber könnte man sogar diskutieren! Aber dann bitte soll auch die ganze Geschichte erzählt werden. Daß Didi Hamann bei Sky live und vor laufender Kamera erzählt hat, daß er per SMS informiert worden sei, Pep Guardiola wechsele im Sommer 2015 zu Manchester City. Der Deal würde stehen, Guardiola verlasse den FC Bayern definitiv zum 30. Juni 2015. Hamanns Einlassungen haben sich als falsch erwiesen.

Doch er hat erkennbar Spaß gefunden an der Opferrolle. Ein Blick auf seinen Twitterfeed zeigt das. So freut er sich, daß er von in diesem Netzwerk bekannten Haßpredigern Zuspruch findet und zelebriert sich auch ansonsten als armer kleiner Didi, der vom bösen Rummenigge schwer beleidigt wurde. Da ist es kein Wunder, daß ausgerechnet bestimmte BVB-Fans ihm beispringen, immerhin ist das im Ruhrgebiet gesellschaftlich tief verwurzelte Selbstmitleid fester Bestandteil des BVB-Markenerlebnisses.

Schade, daß keiner mehr über Hamanns wiederholt falsche Informationen spricht. Jedoch: Er glaubt immer noch nicht an eine „lange Guardiola-Ära bei FC Bayern. Das muß man in der Tat abwarten, aber nachdem Hamann bislang eigentlich immer daneben lag, mag jeder seine persönlichen Schlüsse aus solchen Interviews ziehen.