Transfersummen: Irrsinn oder vernünftige Businesspläne?

Die Transfersummen sind in den letzten Jahren exorbitant gestiegen. Dieter Hoeneß hat im Sommer 1979 eine Ablösesumme von 180.000 D-Mark gekostet, fünf Jahre später kostete Lothar Matthäus bereits 2,4 Millionen D-Mark und heute? Der Vereinsrekord wird von Javi Martínez gehalten, der 2012 für vierzig Millionen Euro kam – und wohin steigt das noch? Auf einmal schwirren Summen von sechzig oder achtzig Millionen Euro durch den Raum, pro Spieler!

Die absoluten Zahlen sind schwindelerregend und um die Werte vergleichbar zu machen, muß man sich einen anderen Benchmark suchen. Am besten eignet sich dafür der Umsatz. Der lag in der Spielzeit 1978/79, also bevor Uli Hoeneß Manager wurde, bei rund zwölf Millionen D-Mark. In der gleichen Spielzeit wurde Paul Breitner für 1,85 Millionen D-Mark von Eintracht Braunschweig zurückgeholt. Das waren etwas mehr als 15 Prozent des Umsatzes.

Der Anteil der Transfersumme am Umsatz ist der am besten geeignete Wert, um die Investitionen über die Jahre und Jahrzehnte vergleichbar zu machen. Nun gibt es mit dem Bosman-Urteil einen entscheidenden Ankerpunkt in der Geschichte, denn seit 1995 gelten die heute üblichen Regelungen: Daß Spieler ein Jahr vor Vertragsende üblicherweise verkauft werden müssen, wenn sie nicht verlängern und daß Spieler, die noch einen langfristigen Vertrag haben, teuer sind – bzw. bei ganz großen Vereinen nicht zum Verkauf stehen.

Sehen wir uns die letzten Jahre an. Die Rekordinvestition gab es 2007: Damals wurden 88,2 Millionen Euro investiert, u.a. in Franck Ribéry, der mit 25 Millionen Euro auch den größten Einzelposten darstelle und heute eine bajuwarische Legende ist. Der Umsatz in der vorhergehenden Spielzeit 2006/07 betrug 225 Millionen Euro. Es wurden also knapp vierzig Prozent des Umsatzes investiert, über zwölf Prozent für Franck Ribéry.

In der Spielzeit 2013/14 lag der Umsatz bei 533 Millionen Euro, bedingt durch organisches Wachstum und Marketingeffekte, die durch den deutschen Weltmeistertitel und die PR-Fahrt nach Amerika entstanden sind, dürften wohl die 600 Millionen Euro überschritten werden. Gemessen daran (vierzig Prozent des Umsatzes) wären Investitionsvolumina von etwa einer Viertelmilliarde Euro für den Sommer 2015 realistisch. Auch für einen Einzelspieler dürften achtzig Millionen Euro vertretbar sein.

Es ginge auch mehr, wie Finanzvorstand Jan Dreesen jüngst gesagt hat. Wieso auch nicht? Für jeden Transfer muß ein Businessplan erstellt werden: Was kostet er und welchen Nutzen bringt er? Sowohl in sportlicher Hinsicht als auch bezogen auf mögliche Merchandising-Effekte. Wenn der FC Bayern einen Weltstar holt, dann wird der Verein bekannter, so daß sich das nicht mehr nur an Fanartikeln mit dem Aufdruck eines bestimmten Spielers messen lassen kann. Der Nutzen ist nicht mehr klar definierbar, aber dennoch erkennbar vorhanden!

Und nicht nur das: Weltklasse zieht Weltklasse an. Der FC Bayern muß in naher Zukunft nicht nur neue Spieler holen, sondern auch junge Leute wie Thiago oder David Alaba langfristig binden. An die Spitze zu kommen ist deutlich leichter als sich dort zu halten. Auf nationaler Ebene machen das diverse Konkurrenten immer wieder vor, im internationalen Bereich müssen die Bayern jetzt den Beweis antreten, daß sie sich oben halten können.

Kurzum: Angesichts des massiven Wachstums der letzten Jahrzehnte aber auch der letzten Jahre ist notwendig, auch bei den Investitionen mitzugehen. Die Ankündigung, nicht mehr automatisch aus Verhandlungen auszusteigen, nur weil Herr Perez von Real Madrid mit am Tisch sitzt, ist richtig. Nun müssen Taten folgen. Geld ist vorhanden und auch jetzt, wo endgültig klar wird, daß Financial Fair Play nur ein Scherz war, haben die Bayern genügend internationale Konzerne als Partner, die für Liquiditätsfluß sorgen können. Mit Kleingeist kommt in dieser Situation niemand weiter.