Pep Guardiola: Pacta sunt servanda

Seit gestern geht die Nachricht rum, Pep Guardiola habe sich mit Manchester City geeinigt. Dabei hat er für die kommende Spielzeit einen gültigen Vertrag beim FC Bayern. Außerdem ist Manchester City, bei allem Respekt, immer noch eine ganze Nummer kleiner als Bayern München.

Grundsätzlich gilt: Pacta sunt servanda (Verträge sind einzuhalten). Im Sommer 2015 soll eine Entscheidung fallen, ob dieser verlängert wird oder nicht. Nun mag Didi Hamann sich ja bereits mit sich selbst darauf geeinigt haben, daß im Sommer ein Wechsel ansteht, aber mehr als ein paar Tweets und auf Spekulationen beruhende Meldungen gibt es darüber nicht.

Der FC Bayern steht im Sommer vor einem großen Umbruch: Das Grundgerüst der Mannschaft steht in dieser Form seit 2009: Philipp Lahm auf der rechten, nicht auf der linken Seite, Franck Ribéry und Arjen Robben auf den Außenstürmerpositionen und Bastian Schweinsteiger im Zentrum. Hier wird sich einiges ändern müssen, wie nicht nur ein Blick auf den Geburtstagskalender, sondern auch die Verletzungsanfälligkeit einiger Leistungsträger zeigt.

Unabhängig von den konkreten Gerüchten (Antoine Griezmann, Ángel di Maria oder wer auch immer) braucht der FC Bayern dafür keinen Trainer, der sich auf Abschiedstournee befindet – leider hört man darüber viel zu wenig in den Medien: In dieser Phase gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder Guardiola verlängert im Sommer 2015 langfristig oder er geht sofort. Die Situation ist auch anders als im Februar 2013 mit Jupp Heynckes. Damals stand die Mannschaft nicht ansatzweise vor so großen Veränderungen wie heute.

Doch was spricht eigentlich objektiv dafür, daß Pep Guardiola den FC Bayern verlassen sollte? Daß er bei Manchester City etwas mehr verdienen kann? Am Geld wird eine Vertragsverlängerung jedenfalls nicht scheitern und die Frage, ob jemand 17 oder 22 Millionen Euro verdient hat auf diesem Niveau auch nichts mehr mit Lebensqualität zu tun. Manchester City hat weder das Standing noch das Prestige des FC Bayern.

Jetzt reden wir aber über andere Dinge: In den Spielzeiten 2006/07 und 2010/11 hatte der FC Bayern, jeweils nach einer Weltmeisterschaft, zehn Punkte Rückstand auf den Meister. Die Schale geht jetzt an die Isar. Zuletzt wurde der FC Bayern nach den Weltmeisterschaften 1998 und 2002 Meister. Trainer war damals Ottmar Hitzfeld, der mit einem Kader in der Champions League einmal Finalist und einmal Sieger wurde, den Pep Guardiola sich vermutlich geweigert hätte zu trainieren.

Der wichtigste Titel ist und bleibt die Meisterschaft! Den hat Bayern souverän gewonnen und darüber hinaus in der Champions League nun zum vierten mal in Folge (und zum fünften mal in sechs Jahren) das Halbfinale erreicht. Man kann einen Pokalsieg nicht planen und den Titelgewinn in der Königsklasse noch weniger. Erfolg ist aber steuerbar und da ist Bayern seit Jahren verläßlich an der europäischen Spitze.

Dennoch werden wir in der neuen Spielzeit einen anderen FC Bayern sehen als jetzt. Es wird viele Transfers geben: Ob Superstars oder Supertalente, es wird investiert. Um hier mal einen Benchmark zu setzen: Im Sommer 2007 wurden 88 Millionen Euro investiert. Das waren rund vierzig Prozent des Umsatzes in der Spielzeit 2006/07, der bei rund 225 Millionen Euro lag. In der aktuellen Spielzeit wird wohl die 600-Millionen-Marke durchbrochen. Gemessen daran wäre eine Viertelmilliarde Euro an Investition möglich.

Dazu kommt, daß mit dem neuen Adidasvertrag neben dem organischen Wachstum noch einmal ein Sondereffekt auftritt und nachdem das Stadion ausfinanziert ist, fällt zudem ein riesiger Kostenblock bei Zins und Tilgung weg. Geld ist also vorhanden – und das wird im Sommer investiert. Wer auch immer dann auf der Trainerbank sitzt, aber daß es Pep Guardiola sein wird ist sehr, sehr wahrscheinlich. Auch wenn Didi Hamann es nicht glauben mag.